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Back to the roots

(Katalog 2018, Seite 102)

Eines Morgens im Frühling … die Gärtnerin betrachtet voller Liebe ihr im Herbst neu angelegtes Beet. Dort hatte sie auch ein Mariengras eingebuddelt. Der Kinnladen geht runter. Da hat doch die Mutter Marie einen Flashmob veranstaltet!

Dabei wollte diese der Gärtnerin doch nur etwas gesunde Farbe der Freude ins winterblasse Gesicht zaubern. Sie hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Die vielen Lücken zwischen den Pflanzen, herrlich lockerer Boden - ab ging die Post. Und so eine flache Thymian-Matte - laaangweilig, die brauchte noch etwas Leben! Sie war so stolz auf sich. Mal eben von faustgroß bis auf einen schönen Kreis mit einem Quadratmeter Durchmesser gewachsen.

Dunkelrot im Gesicht, schlimme Worte murmelnd, kennt die Gärtnerin kein Halten. Meterlange Wurzelspaghetti wandern in die Biotonne. Mutter Marie, unsanft auf dem Rasen gelandet und wieder auf Faustgröße gerupft, feixt sich eins. „Du, Gärtnerin, das sitz‘ ich doch locker aus. Mich kriegt so schnell keiner klein - hi hi...“

Jetzt möchte ich Sie aufklären über unsere „Krabbelkräuter“. Sie haben sozusagen „Hummeln im Hintern“, leiden unter chronischer Wanderlust (Minzen!) und unheilbarer Ausbreititis. Sie wollen nicht da bleiben, wo wir sie pflanzen. Man kann nur die Symptome bekämpfen. Mehr dazu später.

Zuerst: Warum machen die das?
Wollen die uns in den Wahnsinn treiben, haben die Spaß an unseren Verzweiflungstränen und Wutausbrüchen? Nein, sie können einfach nicht anders. Pflanzen leben in einer gnadenlosen Ellbogen-Gesellschaft. Täglich tobt der Kampf um Futter, Licht, Wasser, Lebensraum. Und das wichtigste: die Arterhaltung. Da kommen die Bienchen und die Blümchen ins Spiel - viele Pflanzen breiten sich durch Samen aus (generative oder geschlechtliche Vermehrung).

Andere verfolgen Plan B.
Die pfeifen auf die Bienchen. Hemmungslos, ohne rot zu werden, können sie das selbst - zuerst natürlich im Verborgenen. Hierzu dient ihr Rhizom (Wurzelstock), keine echte Wurzel, sondern eine umgewandelte Sprosse mit Knospen. So breiten sie sich mal hierhin und mal dorthin aus. Berüchtigte Vertreter dieser Methode: unter anderem Brennesseln, Giersch (Geißfuß) und etliche Gräser (Bambus!). Wird der Gärtner nun sehr wütend und hackt ganz wild auf die Rhizome ein, hat er statt einer Pflanze plötzlich eine ganze Herde davon. Über die er sich dann noch viel mehr ärgern kann - oder er freut sich und erntet. Dem Kraut ist das Schnuppe, es hat sich erfolgreich vermehrt ... so einfach!

Plan C gibt‘s auch noch: Diese Kräutlein machen ober- oder unterirdische Stolonen (Ausläufer), an denen sich kleine Tochterpflanzen bilden. Eine gute Methode, sich hübsch heimlich durch die Beete zu weben. Besonders dafür bekannt sind (Wald-)Erdbeeren und Gänsefingerkraut.

Plan B und C zählen zur vegetativen oder ungeschlechtlichen Vermehrung. Diese neu entstandenen Pflanzen sind Klone mit den gleichen Eigenschaften der Mutterpflanze.

Einige der wuchsfreudigen Krabbelmonster sind z.B. Mariengras, Brennnessel, weißbunter Geißfuß, Zypressenwolfsmilch, Gänsefingerkraut, Walderdbeere (Saatgut), Waldmeister, Vap Ca, Maiglöckchen ...
Weitere finden Sie auf www.kraeuter-und-duftpflanzen.de unter der Rubrik „Verwendung“ - „Kriechende Kräuter“.

Hier meine Ermunterung diese Kräuter trotzdem in Ihrem Garten zu pflanzen, denn sie sind:

  • robust und meist anspruchslos
  • oft geeignet für Problemstandorte
  • bieten ein schnelles Erfolgserlebnis
  • üppige Grünmasse = reiche Ernte
  • schützen den Boden vor Austrocknung

Flachwachsende Rasenkamille und Thymiane weben dichte, duftende Teppiche, die man sogar vorsichtig betreten kann.

In diesem Sinne: back to the roots!

So zähmen Sie Ihre Krabbelkräuter:

Fußfessel!

Im Boden versenkte Eimer oder Mörtelkübel, den Boden rausgeschnitten, helfen dem Eroberungsdrang Grenzen zu setzen. Ebenso Rhizomsperren, die sonst effektiv gewisse Bambus-Sorten bändigen.

Einsperren!

Sind die „Wurzelkräuter“ zu keck, hilft auch immer Alleinhaltung in hübschen Töpfen und Kübeln.

Machen lassen!

Gibt der Garten es her, räumt man z.B. den Minzen oder Giersch (Geißfuß) ein Extra-Plätzchen ein, wo sie sich lustvoll mehren dürfen.

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