Kräuterkunde

- Ein paar Gedanken zum Pflanzen von Kräutern -

Erde
Unterscheiden Sie zunächst zwischen Draußen und Drinnen. Pflanzen für Töpfe oder andere Gefäße sollten nicht in Gartenerde gepflanzt werden, sondern am besten in grobe - je größer der Topf desto gröbere - käufliche Topfpflanzenerde kommen. Sparen Sie hier nicht. Pflanzen dagegen, die für’s Freiland bestimmt sind, kommen in der Regel ohne käufliches Erdsubstrat aus. Wichtig ist in jedem Fall, daß die Erde genügend locker ist, daher am besten vor der Pflanzung lockern oder umgraben, damit überschüssiges Wasser schnell abfließen kann, dadurch bleiben die Wurzeln gesund. In Gegenden, wo das Wasser lange nach einem Regen stehenbleibt (schlechte Dränage) kann als Abhilfe ein Hügelbeet oder ein Hochbeet angelegt werden. Besonders die mediterranen Kräuter wie Salbei, Thymian und Rosmarin sind auf einen guten Wasserablauf angewiesen.

Dünger
Ein vielverbreitetes Vorurteil ist, daß Kräuter kein Dünger bräuchten, im Gegenteil der Geschmack würde darunter leiden. Das stimmt so nicht. Die meisten Kräuter brauchen eine mittlere Düngung, verglichen mit Gemüsekulturen, und einige, vor allem Basilikum, Dill, Laucharten und ein paar feuchteliebende Kräuter wie Liebstöckel und Sauerampfer wollen sogar einen gut gedüngten Boden zum Gedeihen vorfinden. Und das ist ja auch ganz logisch: Kräuter sind Pflanzen, die sollen richtig wachsen, weil wir sie irgendwann zum Ernten abschneiden wollen, anders als bei Zierpflanzen - und dafür brauchen sie eben „Futter“. Nahrung aber nicht nur in Form von physischen Nährstoffen, sondern auch in Form von

Licht
Auch hier gilt: Pflanzen von denen Sie richtig was ernten wollen, müssen - von einigen Ausnahmen abgesehen - in der vollen Sonne stehen. Natürlich kann man z.B. Minzesorten in den Schatten pflanzen, aber das Aroma sowie die Erntemenge bleiben deutlich hinter denen zurück, die in der vollen Sonne gepflanzt wurden. Das gilt in ganz besonderem Maße übrigens für Zimmerpflanzen. Stellen Sie sich vor, hier bei uns in der Gegend wird die Sonne im Jahreslauf zu über 60% von Wolken verdeckt. Trotzdem wachsen die Pflanzen. Weil Sie das indirekte Licht selbstverständlich auch nutzen, und sie können das oft sogar besser nutzen, als die direkte Sonne, d.h. der Ausnutzungsgrad ist höher. Immer wenn Sie sich fragen, kann ich diese oder jene Pflanze wirklich an diesen Platz pflanzen, dann legen Sie sich eine Moment lang dort hin (ein Blick nach oben reicht auch) und schauen in den Zenit (senkrecht nach oben). Und jetzt schauen Sie, wie groß ist eigentlich der Himmelsausschnitt, der der Pflanze zur Verfügung steht. Wenn Sie einen großen Himmelsausschnitt, aber keine direkte Sonne, z.B. auf der Nordseite Ihres Hauses haben, dann wird unter Umständen dort das Wachstum besser sein, als an einem Ort, wo die Pflanze zwar einige Stunden direkte Sonne bekommt, aber vielleicht der Himmelsausschnitt eingeschränkt ist durch eine riesenhafte Buche, die Ihre Zweige darüberstreckt. Im Haus ist oft viel weniger Licht als man annimmt. Geben Sie daher den Pflanzen, die im Haus wachsen, und gleichzeitig Hochleistungen vollbringen sollen, weil Ihre Familie sie zu Ihrem Lieblingskraut erkoren hat, den sonnigsten Platz. Das bedeutet auch, die Pflanzen so nah als möglich am Fenster zu platzieren. Im Winter oder an dunklen Standorten ist auch eine Zusatzbeleuchtung möglich.

Wasser / Angießen
Wenn Sie Ihre Kräuter im Frühjahr von März bis Juni oder im Herbst ab September in Ihren Garten pflanzen, reicht in der Regel ein einmaliges gutes Angießen. Gutes Angießen bedeutet, daß die Pflanze, der man am besten noch beim Einsetzen einen Gießrand mit der Hand formt, wirklich eingeschlämmt wird mit Wasser. Das bedeutet bei unserer Liefergröße ca. 4-6 Pflanzen mit einer 20-Liter-Gießkanne! Wenn Sie größere Pflanzen aus dem Garten umpflanzen benötigen Sie evtl. sogar 1-2 Kannen. Nützlich ist es auch, nach dem Angießen die Erde zu hacken oder zu harken, und/oder mit Mulchmaterial wie z.B. Rasenschnitt zu bedecken. Dann reicht’s aber meist auch für den Rest des Jahres, und die meisten Kräuter brauchen dann nie mehr gegossen werden - wenn sie erstmal eingewurzelt sind. Kräuter sind in dieser Hinsicht wirklich pflegeleicht. Ein mehrmaliges Gießen ist meist nicht sinnvoll - im Gegenteil, gerade die mediterranen Kräuter wollen die Sommertrockenheit, wo sie die nicht kriegen, so kann man an verregneten Sommer schon sehen, sterben z.B. einzelne Äste oder auch ganze Pflanzen.

Kalk
Einige Pflanzen, allen voran der Lavendel benötigen für’s Gedeihen einen kalkreichen Boden, bzw. einen nahezu pH-neutralen Boden. Ich empfehle, wenn Sie nicht in einer ausgesprochen kalkreichen Gegend leben, einmal in ein oder zwei Jahren Kalk zu streuen. Etwa eine handvoll pro 1 bis 4 qm. Falsch machen kann man da eigentlich nichts - außer Sie haben Eriken, Moorgewächse, Bärentraube, Gagelstrauch und Rhododendron oder andere Gewächse, die sauren Boden bevorzugen. Viele Pflanzen wachsen nach einer solchen Kalkung, am besten mit Magnesiumkalk, sehr gut, es kommt fast einer Düngerwirkung gleich.

Rückschnitt
Je nach Sorte ist ein Rückschnitt mehr oder weniger nötig. Im beginnenden Frühjahr sollte das alte, vom Winter gezeichnete Laub ganz entfernt werden, und bei Stauden können die Blütenstängel vom Vorjahr auch bodennah abgeschnitten werden. Kleinsträucher wie Thymian, Salbei, Bergbohnenkraut schneidet man am besten nach der Blüte im Frühsommer, evtl. im Frühjahr nochmals ein kleiner Korrekturschnitt. Beachten Sie, daß auch die Ernte, vor allem die fortlaufende Ernte für den sofortigen Gebrauch, das sind ja meist nur kleinen Mengen, einem Rückschnitt gleichkommt. Halten Sie sich an die Regel „Immer Zweige ernten, auch kleine, aber keine einzelnen Blätter ernten, und immer von oben nach unten ernten“, und die Pflanzen werden Gelegenheit haben buschig nachzuwachsen. Wichtig ist auch, z.B. bei Basilikum aber auch vielen anderen blühfreudigen Kräutern, die Blüten gelegentlich zu entfernen, wenn Ihnen mehr am Gaumengenuß als an der Blütenpracht gelegen ist.

Krankheiten und Schädlinge
Nach meinen Erfahrungen ist es ganz bedeutsam, bei einem Befall zuerst zu fragen „Wie kann ich dieser kranken Pflanze bessere Bedingungen geben, damit sie schnell gesundet?“ (...Erde, Wasser, Luft, Licht...). Schädlinge interessieren sich meist nur für Pflanzen, die nicht unter idealen Bedingungen wachsen! Hier in der Gärtnerei setzen wir unter anderem Nützlinge ein, aber oft bleiben doch noch ein paar „böse Vegetarier“ (die Schädlinge sind reine Pflanzenfresser!) übrig. Die meisten Schädlinge und Krankheiten tauchen im Frühjahr auf. Die häufigsten Plagegeister sind: Blattläuse: Sofortmaßnahme Neudosan spritzen (ungiftiges Mittel auf Schmierseifebasis), Pflanzen abwaschen. Neemextrakte bei Zimmerpflanzen Schnecken: kein Mulchmaterial verwenden, Erde immer wieder hacken, damit die Oberfläche abtrocknet. Sonnigeren Standort wählen. Weiße Fliege und andere: Gelbtafeln aufstellen, das sind gelbe mit Leim bestrichene Pappen, die die Insekten wie magisch anziehen.

Literatur
Sie sehen, Sie kommen wahrscheinlich um ein gutes Kräuterbuch nicht herum. Inzwischen gibt es eine fast unüberschaubare Vielfalt an Kräuterbüchern auf dem Markt. Und die Geschmäcker und Ansprüche sind sehr unterschiedlich. Eines möchte ich Ihnen jedoch an’s Herz legen: So schön und aufregend die englischen Kräuterbücher und deren Übersetzungen ins Deutsche sind - bedenken Sie, daß in England ein viel milderes Klima herrscht, und die Angaben über die Winterhärte von Kräutern in diesen Büchern überprüft werden sollten.

Vermehrung
Die meisten unserer Pflanzen stammen aus unserer eigenen Produktion. So kennen wir die Pflanzen von Anfang an, und wissen was gut oder weniger gut für sie ist. Der überwiegende Teil der Kräuter wird bei uns durch Teilung und durch Stecklinge vermehrt; dadurch bleiben die guten Eigenschaften der ausgewählten Mutterpflanzen in der nächsten Generation erhalten. Diese Art der Vermehrung nennt man auch „vegetative Vermehrung“. Im Gegensatz dazu steht die generative Vermehrung, also die Vermehrung durch Aussaat. Einjährige Pflanzen sowie viele Wildpflanzen, oder auch Sorten, die sich nicht oder nur mühsam durch Stecklinge vermehren lassen, werden in der Gärtnerei ausgesät, dann pikiert (d.h. vereinzelt) in Multitopfplatten, und später, wenn Sie dann kräftig genug geworden sind in Töpfe umgetopft. Aus wenigen Pflanzen oder Samenkörnern viele neue Pflänzchen zu ziehen macht Spaß! Ist es nicht immer wieder ein Wunder, wie aus einem winzigen Samenkorn oder einem kleinen Zweig eine neue, völlig eigene Pflanze entsteht?